Rundbrief der Finca zum Advent und Weihnachten 2011
Ein, wie es scheint all zu kurzes Jahr, ist seit dem letzten Rundbrief im Oktober 2010 vergangen. Rückblickend dürfen wir sagen, dass sich alles im damals vorgestellten Geist und Plan entwickelt hat und mit der Hilfe des Himmels und der treuen Unterstützung der Patenschaft "Münchenstein-Manglaralto" weiterentwickeln wird.
Anfangs des kommenden Jahres werden es vierzig Jahre der Bestehung der Partnerschaft "Münchenstein-Manglaralto" sein. Von Anfang an verstanden wir die übernommene Aufgabe als missionarischen Einsatz. Mission im Geist Christi, der seine Jünger ausgesanndt hat, um die Frohbotschaft zu verkünden, die Kranken zu heilen, die Armen zu trösten. (Mk.4,18). In diesem Sinne hat ja auch der Erzbischof von Guayaquil Monseñor Bernardino Echeverría im Jahr 1970 an unsern damaligen Bischof von Basel Franziskus von Streng eine Seelsorgeequipe erbeten, die sowohl die religiöse wie auch die menschlichen Belangen auf beiden Bereichen das grosse vernachlässigte Gebiet betreut. Wie aus den vielen Rundbriefen und Broschüren dieser 40 Jahren zu ersehen ist, haben wir versucht, beiden Bereichen so gut uns möglich war zu dienen. Dank den zahlreichen Mitarbeitern, vor allem aus der Schweiz und aus Deutschland, konnten wir den vielen Armen und Kranken unseres grossen Pfarreigebietes unschätzbare Hilfe leisten.
Wie wir im letzten Rundbrief schrieben, hat sich im Verlauf der langen Zeit vieles geändert, und unser Gebiet, das damals vollständig abgeschnitten war, ist heute im öffentlichen Leben integriert.
Heute verfuegen wir ueber gute Strassen, Elektrizität, Schulen und Krankenbetreuung. Die Regierung unternimmt grosse Anstrengungen, um die Bevoelkerung in Foerderungsprojekte in Handwerk, Tourismus und Fischerei zu integrieren. Durch diese Programme erhofft sie sich, die Arbeitslosigkeit und die Unterbeschaeftigung zu senken und die Lebensqualitaet der Menschen zu steigern.
Trotzdem bleibt eine erhebliche Gruppe von Armen und Kranken, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Ihnen helfen wir mit unserm Lebensmittelprogramm und der medizinischen Betreuung, und vor allem mit den Erziehungsprogrammen. So unterstuetzen wir in unserem Schulungszentrum 800 Kinder und Jugendliche vom Kindergartenalter bis zum Mitterlschulabschluss, einige sogar waehrend des Universitaetsstudiums. 80 Kinder und Jugendliche leben in unseren Internaten,; Minderjaehrige aus mittellosen Familien, oft von Krankheiten und Hunger geplagt, die sich ohne die Aufnahme in unsere Internate nicht bilden könnten.
Liebe Freunde von Manglaralto, immer mehr sehen wir unsere Aufgabe im religiösen, dem wichtigsten Bereich. Hat doch Jesus seinen Jüngern als erste Aufgabe erteilt, die Frohbotschaft Christi zu verkünden. Die Bevoelkerung mag sich in menschlichen Belangen entwickeln, doch der Fortschritt, der so sehr gerühmt und angestrebt wird, darf sich nicht aufs irdische, ins Vergängliche reduzieren; wir sind Kinder Gottes und damit Erben des Himmels, und als solche ist es unsere Aufgabe, uns auf das Ewige Leben vorzubereiten.
Die neue Verfassung Ecuadors hat die Weisung aufgestellt: "el buen vivir", - "gutes Leben"; diesen Weisungen können wir nur gerecht werden, wenn wir unsere volle Existenz in Betracht ziehen, das heisst, nebst der Förderung des Irdischen, immer auch das Ewige vor Augen zu halten. So sehen wir unsere wichtigste Aufgabe darin, den Glauben zu vermitteln und zu stärken, und damit unser Christsein zu vertiefen und zu verstärken. Die vierzigjährige Mission zeigt in dieser Hinsicht schöne Früchte: die aktive Teilnahme an den wöchentlichen Gottesdiensten, das Wachsen christlicher Familien, das Entstehen von christlichen, geistgeprägten Gebets-und Aktionsgruppen, und nicht zuletzt das Keimen kirchlicher Berufungen.
So duerfen wir am Christkönigsfest der Ortskirche wiederum einen Neupriester und zwei Diakone schenken, Früchte unseres Werkes, eines unserer wichtigsten Anliegen, denn allein in der Stadt Guayaquil müssen wegen der Zuwanderung jährlich acht neue Pfarreien gegründet werden. Den Priestern zur Seite stehen die Laienmissionarinnen unserer Gemeinschaft. Neben den 25 gottgeweihten Mitgliedern duerfen im kommenden Jahr sieben Anwärterinnen, die ihr zweites Jahr der Vorbereitung beenden in den missionarischen Einsatz gehen.
Barbara Keller aus Kaisten, eine der Mitgründerin und Verantwortlichen dieser Gemeinschaft, wird sich selber zu Wort melden.
Diese Jahr durften wir eine besondere Überraschung erleben, denn ein ecuatorianisches Ehepaar schenkte unserer Gemeinschaft ein grosses, brachgelegenes Landstück, das sich rund 300Km von Manglaralto entfernt befindet, in der Nähe der Stadt Bucay. Diese Gegend verfuegt ueber ein ganz anderes Klima, und was uns besonders freut, r auf sechs Meter Tiefe stiessen wir bereits auf Grundwasser. Wir begannen, Schritt für Schritt, die grosse Fläche von Unkraut und Gebüschen zu befreien, und für eine Cacaoplantage vorzubereiten. Der ecuatorianische Cacao zeichnet sich durch ein sehr feines Aroma aus, das sich bestens für den Export eignet. Die Pflanze wird als Strauch kultiviert. Bereits nach zwei Jahren kann das erste Mal geerntet werden. Noch fehlt es an sehr vielem; an einer Wohngelegenheit, der Stromzufuhr, eines Trinkwassersysthems und einer Bewässerungsanlage , damit die Pflanzen gut gedeihen können, und der Ernteertrag erfolgreich sein wird. Auch werden wir verschiedenste Obstäume und Bananen pflanzen, um unsere Küche mit Früchten und Gemüse eindecken zu koennen.
Ziel dieses Projektes ist die Mitfinanzierung unserer Sozialprogramme, denn die Situation im ganzen Land ist immer schwieriger und alles wird teurer, so dass wir auf diese Mithilfe angewiesen sind. Die Organisation, Ausfuehrung und Ueberwachung dieses neuen Landwirtschaftsprogramms erfordert von uns Praesenz, so dass sind wir vermehrt unterwegs sind. . Wir sind voller Hoffnung, dass dieses Projekt bald "Früchte" tragen wird, um mit ihnen, liebe Freunde in der Schweiz und in Deutschland, gemeinsam den Missionsauftrag weiterzuführen.
Wir danken euch allen für eure grosse und treue Unterstützung, und wünschen Euch
eine gesegnete Adventszeit, ein fröhliches Weihnachtsfest alles Gute fürs kommende, Neue Jahr.
Euer Padre Othmar und die gesamte Fincafamilie